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Familie und Medien

Digitale Medien faszinieren Kinder von klein auf. Sie erleben, dass Smartphones und Tablets ständig gegenwärtig sind, in der Familie genauso wie in der Öffentlichkeit. Die Medienausstattung in den Familien – auch im Kinderzimmer – wird immer vielfältiger. Wichtig ist es, dass die Chancen genutzt werden, aber Gefährdungen und Risiken durch die Nutzung dieser Medien gemeinsam mit den Eltern vermieden werden. Nur wenn Kinder in ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten gestärkt werden, können sie bewusst, verantwortungsvoll und kreativ mit digitalen Medien umgehen. Bayern unternimmt viel, um junge Menschen auf die digitale Welt vorzubereiten. Und Eltern wie auch Lehr- und Fachkräfte werden bei der Medienbildung und -erziehung unterstützt und in ihren eigenen Medienkompetenzen gestärkt. Lernen Sie hier einige Anlaufstellen und Projekte kennen, die der Freistaat fördert.

Medienkompetenz: Bayern stärkt Kinder und Jugendliche

Kinder sollen ihrem Alter entsprechend lernen, eigenverantwortlich mit digitalen Medien umzugehen. Damit Kinder dies erlernen können, müssen Eltern Vorbild durch ein bewusstes und kritisches Mediennutzungsverhalten sein. Deshalb sprechen Projekte zur Stärkung der Medienkompetenz oft das gesamte Umfeld von Kindern an: Eltern genauso wie Lehrkräfte und das pädagogische Personal der Kinder- und Jugendhilfe. Medienbildung beginnt heute schon in der Kita – und soll Kinder und Jugendliche aller Altersstufen begleiten: von der Auswahl kindgerechter Filme bis zu Themen wie Datenschutz und Cyber-Mobbing.

Digitalisierungsstrategie für die Kindertageseinrichtungen

Im Rahmen des erfolgreichen Modellversuchs „Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken“ erprobte das Familienministerium von 2018 bis 2020, wie die Medienkompetenz von Kindern in 100 ausgewählten Kindertageseinrichtungen noch besser gestärkt werden kann. Medien jetzt schon in der Kita bei den Kleinen? Muss das sein? Kaum ein Thema wird derzeit so emotional diskutiert wie der Einzug der Digitalisierung in die Kitas. Befürworter ermahnen dazu, Kinder möglichst früh an Laptop und Tablet zu setzen, damit sie fit für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft sind. Kritiker halten den frühen Umgang mit Medien für gesundheitsgefährdend und schädlich. Sie fordern medienfreie „Schonräume“ in Kindertageseinrichtungen. Viele Eltern sind deshalb verunsichert und wünschen sich Orientierungshilfen.

Nahaufnahme: Hände einer Erwachsenen und eines Kleinkinds auf Notebook-Tastatur.

Sollen schon Kita-Kinder den Umgang mit Notebook, Tablet und Smartphone üben? Ja, raten Experten, denn gut angeleitet gewinnen sie Medienkompetenz (Bild: Bayerisches Familienministerium/Sandra Bielmeier).

Die Forschung belegt, was in der frühpädagogischen Praxis längst bekannt ist: Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien und dem Internet in Berührung. Sie haben meist schon beim Eintritt in den Kindergarten erstaunlich viel Erfahrung mit digitalen Medien. Auch frühkindliche Bildungseinrichtungen müssen sich mit dieser Lebenswelt von Familien und Kindern auseinandersetzen. Sie haben eine Mitverantwortung, Kinder – entsprechend ihrem Alter und ihrer Entwicklung – in ihrer Medienkompetenz zu unterstützen. Deshalb müssen sich auch Kindertageseinrichtungen besonnen den Herausforderungen von elektronischen und internetfähigen Medien im Leben junger Kinder stellen.

Das heißt, die Chancen zu nutzen, die im Gebrauch von Medien stecken können und zu wissen, was es dabei zu beachten gilt. Das heißt aber auch, die Risiken zu erkennen und darauf entsprechend zu reagieren. Das Bayerische Familienministerium hat daher auf Grundlage der Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Modellversuch „Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken“. 2021 eine Digitalisierungsstrategie für die Kindertageseinrichtungen gestartet. Ziel der Strategie ist es, alle bayerischen Kindertageseinrichtungen fit für die digitale Welt zu machen. Im Modellversuch wurde deutlich, dass die engmaschige Begleitung vor Ort die Voraussetzung für einen sinn- und verantwortungsvollen sowie kreativen Umgang mit Medien in Kindertageseinrichtungen ist. Eine wesentliche Maßnahme der landesweiten Digitalisierungsstrategie ist daher der bayernweite Einsatz von Digitalisierungscoaches. Sie begleiten die Fachkräfte in den Einrichtungen im Rahmen der dazugehörigen Qualifizierungskampagne „Startchance kita.digital“. Sie ist das Herzstück der Digitalisierungsstrategie und im September 2021 erstmals gestartet. Die teilnehmenden Kitas wurden ein Jahr lang von Digitalisierungscoaches begleitet. Im Zuge der Kampagne erhalten sie Fortbildungen und regionale Vernetzungsangebote.

Im September 2022 startete bereits das 2. Kampagnenjahr für das sich bereits viele Kitas in Bayern angemeldet haben.

Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP)

Das Staatsinstitut für Frühpädagogik und Medienkompetenz (IFP) unterstützt die Frühpädagogik und sukzessive auch die anderen Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe im Bereich der Medienkompetenz zu unterstützen und bei vielen weiteren Themen der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung.

Weitere Initiativen und Anlaufstellen

Der Freistaat Bayern führt nicht nur Projekte durch, sondern fördert auch Initiativen, Projekte und Anlaufstellen mit dem Ziel, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. 

Hat Ihr Kind schon den Führerschein?

Nein? Na, dann wird’s höchste Zeit! Der Medienführerschein hat das Ziel, Kinder, Jugendliche und Erwachsene fit für den Umgang mit Medien zu machen. Er wird in Kindertageseinrichtungen, Schulen und  in der Jugendarbeit eingesetzt. Auf der Website Medienführerschein Bayern finden pädagogische Fachkräfte Materialien für Projekte an Kitas, für den Schulunterricht, für Elternabende und die außerschulische Jugendarbeit. In der Infothek der Website finden Lehrkräfte, Fachkräfte und Eltern nützliche Materialien und Links zu Info- und Service-Angeboten im Internet. Der Medienführerschein Bayern ist eine Initiative der Bayerischen Staatsregierung. 

Kinder und Jugendliche als Mediennutzer und Medienmacher

Familienszene: Kleines Mädchen fotografiert ihre Familie mit einem Tablet-Computer.

Selber zu filmen, ist mindestens genauso spannend, wie Filme zu gucken oder Online-Spiele zu entdecken. Das JFF stärkt Kinder und Jugendliche als Mediennutzer und Medienmacher (Bild: Bayerisches Familienministerium/Sandra Bielmeier).

Das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis stärkt Kinder und Jugendliche im Umgang mit Medien. Zu den Angeboten und Projekten des JFF gehört u. a. die Internetplattform webhelm.de. Die Website informiert Jugendliche, Eltern, Lehr- und pädagogische Fachkräfte über Themen wie Datenschutz, Urheber- und Persönlichkeitsrecht sowie Konflikte im Netz bis hin zu Cyber-Mobbing. Bei der Entwicklung der Plattform steuerten junge Menschen Themen bei, die sie in ihrer Lebenswelt bewegen, wie beispielsweise Fragen zu: „Was ist Hate Speech?“, „Wie erkenne ich Fake News?“, „Welche Apps sind zurzeit angesagt?“ oder: „Welche Faszination geht von Influencer*innen aus?“. Für Jugendliche besteht zudem die Möglichkeit, in einem geschützten Raum unter pädagogischer Anleitung selbst die neuesten Apps, Internetangebote oder Chats ausprobieren zu können. Zudem bietet die webhelm-Jugendredaktion jungen Menschen ab 12 Jahren die Möglichkeit, erste journalistische Erfahrungen zu sammeln. Dort lernen sie zu recherchieren, Interviews zu führen und spannende Inhalte zu kreieren. Vom Schreiben eines Skriptes bis hin zum Produzieren von Audio- und Videopodcasts erfahren Jugendliche, wie journalistische Beiträge entstehen. Dabei berichten sie über alle Themen, die sie beschäftigen – zum Beispiel Virtual Reality, Freundschaft oder politische Beteiligung.

Das Bayerische Kinder- und Jugendfilmfestival veranstaltet das JFF gemeinsam mit dem Bayerischen Jugendring. Das Besondere: Die Filme sind nicht nur für eine junge Zielgruppe, sondern von Kindern und Jugendlichen gemacht. Ziel des Festivals ist, junge Menschen zwischen vier und 26 Jahren zu befähigen, sich kreativ und spielerisch mit Themen ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen und dabei einen kompetenten Umgang mit Medien zu erlernen. Das renommierte Filmfestival gastiert alle zwei Jahre in einer anderen Stadt. Gezeigt wird u. a. beim KIFINALE eine Auswahl der besten Kinderfilme aus ganz Bayern und beim JUFINALE die von den Bezirken nominierten Siegerfilme.

Das Bayerische Familienministerium sowie das Kultus- und Justizministerium sind Kooperationspartner bzw. Förderer des JFF.

Infos und Austausch für Eltern: „ELTERNTALK“ und „Eltern im BAER“

Der Umgang mit Medien ist für viele Mütter und Väter ein Dauerthema: Wo, was, wann und wie lange dürfen Kinder und Jugendliche gucken, surfen, spielen, chatten? Wie können Kinder sicher surfen? Was sollten Eltern kontrollieren? Und welchen Freiraum im Netz brauchen Kids? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich Eltern in offenen, von geschulten Müttern und Vätern moderierten Gesprächsrunden, den ELTERNTALKs. Die Eltern treffen sich im privaten Rahmen in ihrem häuslichen Umfeld. Der Erfahrungsaustausch ermöglicht Eltern – ganz ohne pädagogischen Zeigefinger – ein differenzierteres Verstehen der digitalen Lebenswirklichkeit ihrer Kinder und hilft ihnen, das erlangte Wissen in den Alltag zu integrieren. Das Bayerische Familienministerium fördert das Erfolgsmodell bereits seit 2001. Derzeit nehmen 47 Landkreise und kreisfreie Städte an ELTERNTALK teil. Zwei Drittel der Gäste von ELTERNTALK haben einen Migrationshintergrund und kommen aus 87 Herkunftsländern.

Seit April 2020 bietet die Aktion Jugendschutz den sog. ELTERNTALK#online an. Dieser virtuelle Talk ermöglicht Eltern, sich in digitalen Gesprächsrunden auszutauschen. Mit dem niedrigschwelligen Ansatz basierend auf dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden Eltern aus allen Teilen der Bevölkerung erreicht.

2020 nahmen rund 13.200 Eltern an ca. 2.900 Gesprächsrunden teil, davon fanden ca. 760 Talks online statt.

Übrigens

Wir haben zwei ELTERNTALK-Moderatorinnen getroffen. Lesen Sie hier, warum sie die Talkrunden von und für Eltern unterstützen – und welche Elterntipps sie selbst weitergebracht haben: zum ELTERNTALK-Interview „Ganz anders? Ganz normal!“

Handfeste praktische Tipps, nützliche Empfehlungen und viele Hintergrundinfos für Eltern und Familien bietet der Bayerische Erziehungsratgeber „BAER“. Breiten Raum nimmt natürlich auch das Thema Medien im Bayerische Erziehungsratgeber ein – von technischen Fragen (z. B. zu Filter-Software, die den Zugriff von Kindern auf Web-Angebote begrenzt) bis zum Umgang mit bedrückenden oder schockierenden Meldungen, die Kinder z. B. in den TV-Nachrichten mitbekommen. „BAER“ ist ein Angebot des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS) und der bayerischen Jugendämter.

Fragen zur Medienarbeit? Anlaufstelle für Fachkräfte und Verbände

Der Bayerische Jugendring (BJR) betreibt über die Bezirksjugendringe ein Beratungsangebot. Die Medienfachberatungen sind Anlaufstellen für die gesamte außerschulische Jugendarbeit, für Elternverbände und Einrichtungen der pädagogischen Arbeit mit Kindern.